Bliib gsund – Tipps und Anregungen aus der Bibel
Zu Fuss„Wir aber gingen voraus zum Schiff und fuhren nach Assus, um dort Paulus aufzunehmen; denn er hatte es so angeordnet, weil er zu Fuss reisen wollte.“[1] Eine unscheinbare Anmerkung – in unserem Zusammenhang jedoch beachtenswert: Paulus ordnet es bewusst so an, dass er eine Weile allein zu Fuss unterwegs sein kann. „Die Entfernung von Troas nach Assus betrug auf dem Landwege gut dreissig, auf dem Seewege etwa fünfzig Kilometer. Bei der Seereise musste das Schiff zudem gegen die vorherrschenden Winde aus nordöstlicher Richtung ankämpfen. Paulus blieb also genügend Zeit, den Weg zu Fuss zurückzulegen, bevor er in Assus das Schiff bestieg.“[2] Wir sind unterwegs per Bahn und Bus und überfliegen Kontinente in komfortablen Flugzeugen. Die Schiffe werden längst von starken Motoren angetrieben. Wir haben den Lift und die Rolltreppe erfunden und träumen gar davon, nächstens auf dem Mars landen zu können. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Mensch ein Fussgänger ist und nie anders als Schritt um Schritt vorwärts kommt. Unsere Sprache weiss das noch und erinnert uns ständig daran. Nur drei Beispiele: „Wie geht es dir?“ „Verstehst du mich?“ „Fortschritt ist möglich.“ Wir suchen unsere Gesundheit viel zu weit weg. Für unsere geistige und körperliche Gesundheit ist es etwas vom Naheliegendsten, dass wir wieder gehen lernen, zu Fuss, dass wir uns wieder bewegen, wenn uns etwas bewegt. Schon bei Paulus – damals in der Antike – fiel das einem nicht so automatisch zu, wie wir vielleicht meinen. Immerhin musste Paulus diesen Freiraum des Fussmarsches bewusst anordnen. Sicher, die Leute waren es damals gewohnt, riesige Strecken zu Fuss zu gehen. Von Ort zu Ort, von Begegnung zu Begegnung blieb so etwas mehr Zeit, die - ohne dass man daran dachte - der Gesundheit diente. Wir heutigen kleben entweder am Stuhl oder wir lassen uns befördern. Unsere erste Entscheidung für die innere und äussere Gesundheit wird darum eine Entscheidung gegen die eigene Bequemlichkeit sein. Und wenn wir uns dann wieder regelmässig bewegen, wird es auch die Entscheidung brauchen von Zeit zu Zeit ganz alleine zu wandern. Es ist gewiss kein Zufall, dass in unserer hochmobilen Zeit das uralte Pilgern wieder entdeckt wird. Auch evangelische Christinnen und Christen begeben sich zu Fuss auf den Weg nach Santiago de Compostella und erleben – unterwegs mit Gott – tiefe innere Wandlung. Aber eben: der Anfang ist wohl bei den allermeisten nicht die Pilgerreise nach Spanien, sondern die ganz banale Entscheidung, das nächste Mal zu Fuss zur Post zu gehen, nicht mit dem Auto; das nächste Mal die Treppe, nicht den Lift zu benutzen. Aber ohne solche erste Schritte geht nichts. Übung: Nehmen Sie sich etwas Zeit und durchkämmen Sie Ihren Alltag. Forschen Sie nach Möglichkeiten wieder zu Fuss zu gehen. Und wählen Sie gangbare, erste Schritte. Beobachten Sie dabei, was sich ändert, wenn sie wieder anfangen zu gehen! [1] Apostelgeschichte 20: 13 [2] Angaben aus William Barclay, Apostelgeschichte - Auslegung des Neuen Testamentes, Aussaat, Wuppertal 1969, S. 173
|